Mittwoch, 18. Mai 2022

Schiff MS Hondius, Rederei Oceanwide Expeditions

Wetter: ca. 12 C, leicht bedeckt mit starkem Wind



Heute Morgen wurde uns mitgeteilt, daß über Nacht die Verspätung wieder aufgeholt wurde und wir wieder im Plan liegen würden.

Um 9:30 Uhr gab es eine Einweisung, wie das Ausschiffen per Zodiak stattfinden wird und an welche Vorgaben (Ein- und Aussteigen, Sitzen, bewegen im Zodiak) wir uns zu halten haben. Gegen 10:30 Uhr haben wir dann unsere speziellen Gummistiefel bekommen, die wir für den Ausstieg im Wasser brauchen. Damit war alles dafür vorbereitet, so daß wir nach dem Mittagessen hätten losfahren können.

Abfahrt sollte gegen 13:30 Uhr sein, aber als Silvia und ich uns gegen 13:10 Uhr vorbereiten wollten – wasserfeste Hose und Stiefel anziehen – kam die Nachricht, daß der Ausflug nach Fair Isle gestrichen wäre, da die Wellen zu hoch und der Wind zu stark wären. Nach Aberdeen gestern war die Enttäuschung natürlich groß. Aber nach dem wir versucht haben Vögel im Flug zu fotografieren und der Wind uns fast die Kameras aus der Hand geblasen hätte, war uns klar, warum der Ausflug abgesagt wurde.

Wir sind danach zu einer anderen Insel (FouLa) der Shetlands gefahren und haben diese umrundet, bevor wir uns auf den Weg Richtung Norden gemacht haben. Geologisch war die Insel interessant anzusehen, da die Verwerfungen an den Klippen gut zu sehen waren, aber dort haben wir die gleichen Vögel gesehen, wie auch schon vor Fair Isle.

Jetzt sind wir auf dem Weg nach Jan Mayen. Mal sehen, ob wir dort landen können. Im Grunde hat man hier schon von vornherein unsere Erwartungen gedämpft. Also schaun wir mal!!

Donnerstag, 19. Mai 2022

Schiff: MS Hondius, Rederei Oceanwide Expeditions

Wetter: ca. 8°C, bedeckt und leichter Wind



Wir sind jetzt auf dem Weg nach Jan Mayen. Um uns herum ist nur Wasser und ab und zu mal ein Vogel. Bis jetzt haben wir noch nicht einmal ein anderes Schiff gesehen. Leider aber auch keine Wale oder Delphine auf die wir sehnsüchtigst warten.

Damit blieb heute nicht viel zu tun, außer essen, ausruhen, Vorträge anhören und nach Tieren Ausschau halten. Die Vorträge sind zwar alle sehr interessant, aber keiner hier an Board hätte etwas dagegen, wenn wir die Theorie (wie man Wale erkennt) in die Praxis umsetzen könnten.

Fotos gibt es keine. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob wir die Mitternachtssonne fotografieren können, da es heute den ganzen Tag bedeckt war.

Freitag, 20. Mai 2022

Schiff: MS Hondius, Rederei Oceanwide Expeditions

Wetter: ca. 8 - 10 °C und dichter Nebel



Seitdem wir Shetland verlassen haben, scheint die See viel ruhiger geworden zu sein. Oder ich habe mich inzwischen an das Geschaukel gewöhnt. Auf jeden Fall hat sich mein Magen beruhigt!!

Am Morgen gegen 7:00 Uhr haben wir den Nordpolarkreis/Artic Circle überschritten. Von jetzt an geht die Sonne nicht mehr unter!! Allerdings ist das für uns heute egal, da wir im Nebel mit nur 100m Sicht fahren. Da sieht man keine Sonne. Und selbst Vögel haben wir heute nicht gesehen.

Damit ist es wieder ein ganz ruhiger Tag geworden. Mit gutem Essen und interessanten Vorträgen. Als Sporteinheit sind wir heute 2x die Treppen innen bis zum 8. Deck hinaufgelaufen und dann außen am Schiff entlang wieder zurück.

Was wir heute mal gemacht haben, ist die Brücke besucht, was hier auf dem Schiff ohne große Voranmeldung möglich ist, so lange kein „Betreten verboten“ Schild an der Tür zur Brücke angebracht ist.

Die Brücke ist sehr geräumig, im Vergleich zu einem Flugzeug Cockpit, aber ansonsten gibt es auch viele Ähnlichkeiten:

- So gibt es die Navigationssysteme u.a. doppelt.

- Es gibt einen Unterschied zwischen der Geschwindigkeit, die das Schiff auf Grund der Maschinenleistung fahren könnte und die, die das Schiff auf Grund der Strömung fährt.

- Es gibt zwar einen Autopiloten, aber als wir dort waren, gab es einen Seemann, der konstant manuell gegengesteuert hat.

- Außerdem hatte uns interessiert, wie weit man bis zum Horizont sehen kann, wenn die Sicht es zulässt - ca. 22 km.

- Eine meiner Sorgen war, dass uns der Sprit ausgehen könnte, da wir in Aberdeen nicht den Hafen anfahren konnten. Aber wir haben gelernt, dass wir wahrscheinlich nur ca. 25% - 30% des Treibstoffes bis Svalbard verbrauchen werden und damit noch mehr als genug Reserven haben werden.

- Jedes Schiff, was im Polarkreis unterwegs ist, muss einen speziellen Treibstoff mit reduziertem Schwefelgehalt nutzen. Die modernen Schiffe nutzen inzwischen alle diesen Treibstoff auf allen Weltmeeren. Ausgenommen alte Schiffe und Fischtrawler.

- Das Brauchwasser darf das Schiff ins Meer leiten, allerdings müssen vorher alle Feststoffe entfernt werden. Die Menge Brauchwasser auf die Menge Wasser in Nordpolarmeer richtet keinen Schaden an.

Noch eine interessante Information - unser Schiff die MS Hondius ist nach einem berühmten Hersteller von Schiffskarten benannt - Jodocus Hondius 1563 - 1612.

Morgen sind wir bei Jan Mayen und hoffen, daß wir dieses Mal an Land gehen können. Im Moment sieht es gut aus.

Samstag, 21. Mai 2022

Schiff: MS Hondius, Rederei Oceanwide Expeditions

Wetter: 2-3 °C, nebelig mit Nieselregen



Heute Morgen sind wir mit Sicht auf Jan Mayen aufgewacht. Leider lagen große Teile der Insel – speziell der Vulkan – im Nebel, aber wenigstens war nur wenig Wind und die See ruhig.

Um 9:00 Uhr standen wir dann mit unseren speziellen Regenstiefeln (wurden vom Schiff gestellt), unserer regendichten Hose und Regenmantel zur Abfahrt bereit. Der Einstieg in die Zodiaks verlief ohne Probleme. Die Crew war sehr hilfsbereit, so dass man sich keine Sorgen machen musste.

Nach einer kurzen Fahrt sind wir dann an unserem Landepunkt angekommen und mussten beim Aussteigen steigen ins Wasser, was auch der Grund für die Gummistiefel war. Die waren bequemer als gedacht und wir haben Sie beim Spaziergang anbehalten.

Auf Jan Mayen selber gab es mehrere Möglichkeiten, was man machen/sehen konnte. Eine war eine 9 km entfernte Vogelkolonie. Erst habe ich mich dorthin auch auf den Weg gemacht, aber nach ca. der Hälfte des Weges bin ich umgedreht, da das Laufen im Sand sehr anstrengend war und ich nicht so schnell vorankam, wie gedacht. Außerdem war es die ganze Zeit am Regnen, was den Spaß ebenfalls reduzierte. Trotzdem tat es gut, sich mal wieder zu bewegen.

Die Landschaft auf Jan Mayen war etwas unwirklich und erinnerte mich etwas an Mordor aus dem Herrn der Ringe. Interessant waren die Stellen, in denen man unterschiedliche Schichten von Schnee und dem schwarzen Sand/Asche sehen konnte.

Wir haben auch die Crew kennengelernt, die dort stationiert ist, um die gesamte Technik auf der Insel zu warten. Die bleiben für 6 Monate. Inzwischen haben sie zwar auch etwas Internet, aber mit nur wenig Bandbreite. Da muss man schon für gemacht sein. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das könnte.

Auf dem Rückweg zum Zodiak habe ich auch meine ersten Puffins gesehen, jedenfalls in weiter Entfernung. Gott sei Dank gibt es Ausschnittsvergrößerungen.

Vor der Abfahrt zum Schiff haben wir noch einen offiziellen Stempel von Jan Mayen in unseren Pass bekommen. Der erste Stempel in meinem neuen!!

Wir sind zum Abschied noch einmal um Jan Mayen herumgefahren und kurz bevor wir die Insel aus unserer Sichtweite verschwand, hatte das Wetter noch einmal Erbarmen mit uns und klarte so weit auf, dass wir den Vulkan wenigstens etwas sehen konnten.